Ehemaliger McDonald’s-Chef Harald Sükar warnt: „Man müsste Zucker sofort verbieten!“

Die Fast Food-Falle: Ein Buch, das in vieler Munde ist, doch vermutlich nicht jedem schmeckt. Der Autor Harald Sükar war Chef von McDonald’s Österreich; früher selbst ein Anhänger der schnellen Mahlzeiten, heute ein Gegner. Auf 265 Seiten warnt der Kirchberger vor den Auswirkungen des Konsums von Fast- und Junkfood sowie Industrieprodukten. Dabei möchte er seinem ehemaligen Arbeitgeber keineswegs auf die Füße treten, allerdings so viele Konsumenten wie möglich wachrütteln. Vor allem ein Wort ist ihm ein Dorn im Auge ZUCKER, das süße, weiße Gift der Nation. Für VOLL IM LEBEN stand der ehemalige Spitzenmanager im Interview Rede und Antwort.

 

Herr Sükar: Was fällt Ihnen spontan zum Wort McDonald’s ein?

HARALD SÜKAR: Das Unternehmen und das Business-Modell sind per se in Ordnung. Der Spirit und die Organisation sind toll. Leider verkaufen sie das falsche Produkt.

Würde das System à la McDonald’s Ihrer Meinung nach mit einem anderen Produkt funktionieren?

Ich glaube schon. Wenn es jemand schaffen kann, dann McDonald’s. Das Unternehmen hat eine solch organisatorische Power und Macht. Sie testen gerade in Australien eine völlig andere Produktpalette rund um Salate mit Quinoa und Tofu. Doch Konzerne bewegen sich nur dann, wenn ausreichend Druck da ist.

Sie waren 13 Jahre lang als Spitzenmanager bei McDonald’s und haben die Fastfood-Maschinerie in erster Reihe vorangetrieben. Wie war damals Ihre Einstellung zum Thema Fastfood?

Früher war ich „pro Fastfood“ eingestellt das war für mich selbstverständlich. Ich war von der Unternehmensphilosophie überzeugt, dachte auch nicht kritisch darüber nach. Wir waren sehr erfolgreich unterwegs. Aus heutiger Sicht ist das nur mit dem Wort „Ego“ zu beschreiben. Ich war früher selbst ein „Schlinger“, der Erste, der beim Essen fertig war. Ich war viel unterwegs. Auch an Tankstellen holte ich mir mein Fastfood ab.

Ich war ein richtiger Leberkäse- und Wurstsemmel-Junkie.

Mittlerweile habe ich 17 Kilos abgenommen, ohne eine Diät zu machen. Heute esse ich langsamer und genieße das Essen viel mehr.

Was war in Ihrem Leben der Schlüsselmoment, Ihre Einstellung zu Fastfood zu ändern und sogar ein Buch zu schreiben, in dem Sie abraten, Fastfood zu konsumieren?

Das Manuskript hatte ich schon länger im Kopf. Vor zwei Jahren wog ich 111 Kilogramm. Ich befand mich in einem schlechten körperlichen Zustand und steckte in einem mentalen Tief. Ich habe mich mit Ernährungsstudien befasst und bemerkt, dass das, was ich früher verkauft habe, ungesund und gesundheitsgefährdend ist. Zudem erkrankten Kinder in meinem Umfeld an Diabetes. Diese Kombination war ausschlaggebend, das Buch zu schreiben. Heute sehe ich die Dinge in einem anderen Licht. Ich dachte mir: Wenn ich schon früher nichts getan habe, muss ich jetzt etwas unternehmen. Die gesamte Fastfood-Industrie und alles, was industriell gefertigt wird, ist ein Schwachsinn. Fertigprodukte voller Konservierungsmittel und Zucker: Das brauchen wir alles nicht!

Oder brauchen wir es doch? Immerhin schreiben Sie in Ihrem Buch, dass Zucker süchtig mache und eine ähnliche Wirkung wie Heroin und Kokain hätte.

Zucker ist der größte Geiselnehmer der Menschheit.

Der Zucker im Junkfood macht die Kinder süchtig. Die Sucht schaltet die Vernunft aus. Ja: Zucker wirkt auf unseren Körper wie Heroin und Kokain.

Wie hat übrigens McDonald’s auf die Veröffentlichung Ihres Buches reagiert?

Die haben gar nichts gemacht. Das ist ihre Taktik: leise den Tsunami vorübergehen lassen. Außerdem steht ja auch nichts im Buch, was nicht der Wahrheit entspricht.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Buch?

Menschen wachrütteln und zum Nachdenken über ihr Essverhalten anregen. Wenn ich nur ein einziges Kind vor Diabetes bewahren kann, dann ist mein Ziel erreicht.

Wie kann man der Zuckerfalle entkommen? Immerhin wachsen wir mit Zucker auf.

Wir können versuchen, regionaler zu leben; z. B. Ab-Hof oder auf Bauernmärkten einkaufen. Ich bin auch für die Einführung einer Zuckersteuer und die Nutri-Scour (die fünfstufige Farb- und Buchstabenskala liefert einen Überblick über die Nährwertqualität eines Produktes, Anm. der Redaktion). Wir haben ja so viel verstecken Zucker überall drinnen. Meiner Meinung nach müsste man Zucker sowieso sofort verbieten! Man glaubt, gesund zu leben, wenn man ein Fruchtjoghurt ist. Doch in Wahrheit ist es eine Zuckerbombe. Eltern können ihren Kindern nichts verbieten, aber mit gutem Beispiel vorangehen und die Konsequenzen des Konsums aufzeigen. Sie können ihre Kinder aufklären, was Zucker alles anrichten kann.

Das tun auch Sie: Sie sind viel in Schulen unterwegs.

Ja, ich bekomme viele Einladungen von Schulen. Das mache ich gerne. Leider sehe ich oft, dass sich Kinder im Turnunterricht kaum mehr bewegen können. Sie schnaufen außerdem, wenn sie über die Stiege hinaufgehen. Was ist das für ein Leben!? Konzernen ist das scheißegal sie sehen nur ihr Businessmodell. Zum Glück aber haben wir es als Konsumenten in der Hand, wohin ich einkaufen gehe, was ich trinke und esse. Jeder einzelne muss bei sich selbst anfangen!

Was bedeutet für Sie VOLL IM LEBEN?

Ich bin voll im Leben besser als je zuvor. Voll im Leben bedeutet für mich, bewusster zu leben. Bewusst wahrzunehmen, was man tut, und nicht einfach so die Lebenszeit vergehen zu lassen. Man darf ruhig auch genüsslich leben, aber dann bewusst!

Zur Person

Harald Sükar, geboren 1963, aufgewachsen in Kirchberg an der Raab. Nach seiner Ausbildung am Gymnasium Gleisdorf folgte das Studium der Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Im Anschluss daran war Sükar beim Discounter Hofer tätig, später bei Aral. 1993 wechselte er zu McDonald’s, wo er mehrere Positionen in der „McDonald’s Development Company CE inne“ durchlief. Von 2004 bis 2006 war er Chef von McDonald’s Österreich und des österreichischen Franchise-Verbandes. Bis Juli 2006 war er zudem Präsident des Fußballklubs GAK. Zurzeit führen Harald Sükar und seine Frau Birgit ihre Firma Oktave Consulting, eine Unternehmensberatung mit Schwerpunkt Gastronomie.

Ex-Mac Donalds Chef Harald Sükar und Kevin Lagler von Voll im Leben

Buchempfehlung: Die Fast Food Falle

Harald Sükar: Die Fast Food Falle. Wie McDonald’s und Co. auf Kosten unserer Gesundheit Milliarden verdienen. Edition a, 256 Seiten

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